{"id":1826,"date":"2026-05-28T12:32:48","date_gmt":"2026-05-28T11:32:48","guid":{"rendered":"https:\/\/buz-2-0.de\/?p=1826"},"modified":"2026-05-28T12:32:48","modified_gmt":"2026-05-28T11:32:48","slug":"eine-alte-debatte-und-warum-sie-uns-heute-wieder-beschaeftigen-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buz-2-0.de\/?p=1826","title":{"rendered":"Eine alte Debatte \u2013 und warum sie uns heute wieder besch\u00e4ftigen sollte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2002 erschien im DAZ-Forum ein Beitrag mit dem Titel \u201eDie zahn\u00e4rztliche Selbstverwaltung vor dem Aus?\u201c. Liest man diesen Text heute noch einmal, fast ein Vierteljahrhundert sp\u00e4ter, wirken viele der damaligen \u00dcberlegungen \u00fcberraschend aktuell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht deshalb, weil sich einzelne Entwicklungen exakt so erf\u00fcllt h\u00e4tten, wie damals bef\u00fcrchtet, sondern weil viele grundlegende Fragen bis heute ungel\u00f6st geblieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits damals wurde intensiv dar\u00fcber diskutiert, wie sich die zunehmende \u00d6konomisierung des Gesundheitswesens, ver\u00e4nderte gesellschaftliche Erwartungen und eine st\u00e4rkere politische Steuerung auf die Selbstverwaltung der Heilberufe auswirken k\u00f6nnten. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Kammern und K\u00f6rperschaften noch ausreichend in der Lage sind, Entwicklungen aktiv zu gestalten \u2014 oder ob sie zunehmend nur noch auf \u00e4u\u00dferen Druck reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fcckblickend muss man wohl selbstkritisch feststellen: Vieles von dem, was damals diskutiert wurde, ist sp\u00e4ter nicht wirklich konsequent angegangen worden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei war und ist die Grundidee der Selbstverwaltung \u00fcberzeugend. Der Staat \u00fcbertr\u00e4gt freien Berufen Verantwortung und Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, weil er davon ausgeht, dass fachlich qualifizierte und ethisch verpflichtete Berufsgruppen bestimmte Aufgaben besser selbst organisieren k\u00f6nnen als eine zentrale staatliche Verwaltung. Dieses Modell setzt allerdings voraus, dass Selbstverwaltung nicht nur eigene Interessen vertritt, sondern zugleich das Gemeinwohl im Blick beh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau an diesem Punkt ist in den vergangenen Jahren zunehmend Vertrauen verloren gegangen \u2014 teilweise auch durch eigenes Vers\u00e4umnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu h\u00e4ufig wurde innerhalb der K\u00f6rperschaften eher reagiert als vorausschauend gestaltet. Gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen, neue Anforderungen an Transparenz und Kommunikation sowie die zunehmende wirtschaftliche Pr\u00e4gung des Gesundheitswesens wurden vielerorts untersch\u00e4tzt. Gleichzeitig entstand nicht selten der Eindruck, dass innerberufliche Konflikte, pers\u00f6nliche Interessen oder taktische Auseinandersetzungen wichtiger seien als gemeinsame langfristige L\u00f6sungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt, dass sich auch die Rahmenbedingungen grundlegend ver\u00e4ndert haben. Das Gesundheitswesen ist heute deutlich st\u00e4rker reguliert, \u00f6konomisiert und politisiert als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Bereitschaft der Politik, Verantwortung an selbstverwaltete K\u00f6rperschaften zu delegieren, nimmt sp\u00fcrbar ab, wenn Zweifel an Professionalit\u00e4t, Transparenz oder Handlungsf\u00e4higkeit entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das betrifft keineswegs nur die Zahn\u00e4rzteschaft. \u00c4hnliche Entwicklungen lassen sich in vielen Bereichen der klassischen berufsst\u00e4ndischen Selbstverwaltung beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umso wichtiger w\u00e4re es gewesen \u2014 und ist es bis heute \u2014, rechtzeitig offen \u00fcber notwendige Reformen zu sprechen, ohne dabei gleich die Grundlagen der Selbstverwaltung insgesamt infrage zu stellen. Denn Selbstverwaltung ist weder ein historischer Besitzstand noch ein Selbstzweck. Sie muss immer wieder neu legitimiert werden: durch verantwortliches Handeln, transparente Verfahren, demokratische Strukturen und die F\u00e4higkeit, Probleme sachlich und professionell zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt genau darin auch eine Lehre aus den heutigen Konflikten rund um das Versorgungswerk und andere Institutionen der zahn\u00e4rztlichen Selbstverwaltung: Nicht jede Kritik ist ein Angriff auf das System. Manchmal ist sie auch Ausdruck der Sorge, dass wichtige Strukturen an Vertrauen verlieren k\u00f6nnten, wenn notwendige Ver\u00e4nderungen zu lange aufgeschoben werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig w\u00e4re es aber falsch, daraus den Schluss zu ziehen, Selbstverwaltung habe grunds\u00e4tzlich ausgedient. Im Gegenteil: Gerade in Zeiten zunehmender staatlicher Steuerung und wirtschaftlicher Interessen bleibt eine funktionierende, verantwortungsbewusste und demokratisch legitimierte Selbstverwaltung von gro\u00dfer Bedeutung \u2014 f\u00fcr den Berufsstand ebenso wie f\u00fcr die Gesellschaft insgesamt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht h\u00e4tten wir manche Entwicklungen fr\u00fcher, klarer und entschlossener diskutieren m\u00fcssen. Diese Erkenntnis ist weder h\u00e4misch gemeint noch Ausdruck r\u00fcckblickender Besserwisserei. Sie sollte vielmehr Anlass sein, heutige Debatten etwas n\u00fcchterner, sachlicher und verantwortungsvoller zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn Vertrauen in Selbstverwaltung entsteht nicht allein durch Satzungen und Institutionen. Es entsteht vor allem dadurch, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, Kritik auszuhalten und gemeinsam tragf\u00e4hige L\u00f6sungen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vorstehende Beitrag nimmt Bezug auf einen Artikel, der bereits im Jahr 2002 im DAZ-Forum erschienen ist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Helmut Dohmeier-de Haan<\/strong><br><em>\u201eDie zahn\u00e4rztliche Selbstverwaltung vor dem Aus?\u201c<\/em><br>DAZ-Forum 77\/2002<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele der damals diskutierten Fragen erscheinen heute erneut aktuell \u2014 insbesondere die Themen Verantwortung der Selbstverwaltung, gesellschaftliche Erwartungen, Professionalisierung, Vertrauensverlust und staatliche Einflussnahme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der historische Beitrag wird nachfolgend als Dokument der damaligen Diskussion wiedergegeben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Faksimile des Originalbeitrags aus dem Jahr 2002<\/h3>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/buz-2-0.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/BUZ_Faksimile_DAZ_2002-2.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von BUZ_Faksimile_DAZ_2002.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-b67e62ce-b0d6-4a7e-9bc2-e6eeccc3124a\" href=\"https:\/\/buz-2-0.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/BUZ_Faksimile_DAZ_2002-2.pdf\">BUZ_Faksimile_DAZ_2002<\/a><a href=\"https:\/\/buz-2-0.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/BUZ_Faksimile_DAZ_2002-2.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-b67e62ce-b0d6-4a7e-9bc2-e6eeccc3124a\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BUZ 2.0<\/strong><br>transparent \u2022 demokratisch \u2022 kollegial<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2002 erschien im DAZ-Forum ein Beitrag mit dem Titel \u201eDie zahn\u00e4rztliche Selbstverwaltung vor dem Aus?\u201c. 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