{"id":1531,"date":"2026-02-11T18:06:22","date_gmt":"2026-02-11T17:06:22","guid":{"rendered":"https:\/\/buz-2-0.de\/?p=1531"},"modified":"2026-02-17T07:32:08","modified_gmt":"2026-02-17T06:32:08","slug":"selbstverwaltung-aufsicht-und-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buz-2-0.de\/?p=1531","title":{"rendered":"Selbstverwaltung, Aufsicht und Verantwortung"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zur Rolle des Staates und der Gremien im Zusammenhang mit dem Versorgungswerk der Zahn\u00e4rztekammer Berlin<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vorbemerkung des Autors<\/h3>\n\n\n\n<p>Der folgende Beitrag ist ein pers\u00f6nlicher Meinungsartikel von mir. Er stellt ausdr\u00fccklich kein Rechtsgutachten dar. Ich bin kein Jurist.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Einsch\u00e4tzungen beruhen ausschlie\u00dflich auf \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Unterlagen. Grundlage meiner Bewertung sind insbesondere<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013 das Schreiben des Bundesverbands der Zahn\u00e4rztinnen und Zahn\u00e4rzte des \u00d6ffentlichen Gesundheitsdienstes (BZ\u00d6G) an die Berliner Senatsverwaltungen vom 20.01.2026<br>\ud83d\udc49 hier im Original nachlesen:&nbsp;<a href=\"https:\/\/berlinboxx.de\/brandbrief-der-berliner-zahnaerzte-zum-rentenskandal.html\">https:\/\/berlinboxx.de\/brandbrief-der-berliner-zahnaerzte-zum-rentenskandal.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>\u2013 die ver\u00f6ffentlichte Antwort des Berliner Senats im Abgeordnetenhaus zur Aufsicht \u00fcber die Zahn\u00e4rztekammer Berlin und ihr Versorgungswerk<br>\ud83d\udc49 hier als Drucksache einsehbar:&nbsp;<a href=\"https:\/\/pardok.parlament-berlin.de\/starweb\/adis\/citat\/VT\/19\/SchrAnfr\/S19-24623.pdf\">https:\/\/pardok.parlament-berlin.de\/starweb\/adis\/citat\/VT\/19\/SchrAnfr\/S19-24623.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche, diese Dokumente f\u00fcr Kolleginnen und Kollegen einzuordnen und verst\u00e4ndlich darzustellen. Ziel ist es, zur sachlichen Diskussion beizutragen und Zusammenh\u00e4nge nachvollziehbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Worum es in der aktuellen Debatte tats\u00e4chlich geht<\/h2>\n\n\n\n<p>In der \u00f6ffentlichen und berufspolitischen Diskussion wird derzeit h\u00e4ufig \u00fcber pers\u00f6nliche Verantwortung einzelner Personen gesprochen. Teilweise entsteht der Eindruck, es handele sich in erster Linie um individuelles Fehlverhalten oder Vers\u00e4umnisse einzelner Vertreter oder Gremien.<\/p>\n\n\n\n<p>Das greift nach meiner Auffassung zu kurz.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich geht es um eine strukturelle Frage:<br><strong>Wie funktioniert ein System, das Pflichtmitgliedschaft, Selbstverwaltung und staatliche Aufsicht miteinander verbindet?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Versorgungswerk ist kein privater Investmentfonds. Mitglieder k\u00f6nnen nicht austreten, nicht den Anbieter wechseln und ihre Altersversorgung auch nicht individuell gestalten. Die Beitr\u00e4ge werden verpflichtend erhoben und betreffen die existenzielle Alterssicherung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade deshalb existiert eine staatliche Aufsicht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum der BZ\u00d6G-Brief bedeutsam ist<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BZ\u00d6G weist in seinem Schreiben ausdr\u00fccklich darauf hin, dass die Krise des Versorgungswerks nicht nur eine interne Angelegenheit der berufsst\u00e4ndischen Versorgung sei. Begr\u00fcndet wird unter anderem, dass Beitr\u00e4ge von im \u00f6ffentlichen Dienst besch\u00e4ftigten Zahn\u00e4rztinnen und Zahn\u00e4rzten mittelbar aus \u00f6ffentlichen Haushalten stammen und damit ein \u00f6ffentliches Interesse ber\u00fchrt ist (siehe oben verlinktes Schreiben).<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie man diese Bewertung im Einzelnen beurteilt, macht das Schreiben eines deutlich:<br>Die Problematik betrifft nicht nur interne Gremienstrukturen, sondern auch die Frage der staatlichen Verantwortung innerhalb eines \u00f6ffentlich-rechtlichen Systems.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wird eine Ebene angesprochen, die in der aktuellen Diskussion h\u00e4ufig ausgeblendet wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Kernaussage des Senats<\/h2>\n\n\n\n<p>In der Antwort des Berliner Senats (siehe oben verlinkte Drucksache) wird sinngem\u00e4\u00df ausgef\u00fchrt, dass eine Haftung des Landes ausgeschlossen sei, weil es sich beim Versorgungswerk um eine Einrichtung der berufsst\u00e4ndischen Selbstverwaltung handele und die staatliche Aufsicht lediglich eine Rechtsaufsicht darstelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit anderen Worten:<br>Die Entscheidungen seien Sache der Organe des Versorgungswerks \u2013 nicht des Staates.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Aussage ist nachvollziehbar. Sie beantwortet jedoch nur einen Teil der eigentlichen Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn Selbstverwaltung bedeutet nicht Aufsichtslosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was Rechtsaufsicht tats\u00e4chlich bedeutet<\/h2>\n\n\n\n<p>Rechtsaufsicht wird h\u00e4ufig so verstanden, als pr\u00fcfe der Staat lediglich, ob Beschl\u00fcsse formal ordnungsgem\u00e4\u00df zustande gekommen sind. Das w\u00e4re jedoch eine sehr enge Interpretation.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufsicht soll sicherstellen, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden und die Einrichtung funktionsf\u00e4hig bleibt. Sie ersetzt keine Entscheidungen, sie soll aber erkennen, wenn Strukturen nicht mehr geeignet sind, die Versorgungsaufgaben dauerhaft zu erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Informationen nicht vorliegen, Kontrollmechanismen nicht greifen oder Gremien ihre Aufgaben faktisch nicht wahrnehmen k\u00f6nnen, entsteht nicht nur ein internes Problem, sondern ein aufsichtsrechtliches.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die eigentliche offene Frage<\/h2>\n\n\n\n<p>Die entscheidende Frage lautet daher nicht:<\/p>\n\n\n\n<p>Wer h\u00e4tte einzelne Anlageentscheidungen treffen m\u00fcssen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidende Frage lautet:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>War das System insgesamt so organisiert, dass Risiken rechtzeitig erkannt und korrigiert werden konnten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frage richtet sich nicht nur an einzelne Personen und nicht nur an einzelne Gremien. Sie betrifft das Zusammenspiel von Verwaltung, Selbstverwaltung und staatlicher Aufsicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine ausschlie\u00dfliche Verlagerung der Verantwortung auf einzelne Vertreter greift deshalb ebenso zu kurz wie die Annahme, staatliche Stellen h\u00e4tten keinerlei Rolle.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Worum es jetzt gehen sollte<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>\u2013 transparente Aufkl\u00e4rung<br>\u2013 nachvollziehbare Information der Mitglieder<br>\u2013 klare Zust\u00e4ndigkeiten<br>\u2013 funktionierende Kontrolle<\/p>\n\n\n\n<p>Nur so kann Vertrauen wieder entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Versorgungswerk ist keine politische B\u00fchne  sondern die Altersversorgung unseres Berufsstandes.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schlussbemerkung<\/h2>\n\n\n\n<p>Selbstverwaltung funktioniert nur, wenn Verantwortung gemeinsam wahrgenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6rt die Verantwortung der handelnden Personen in den Organen ebenso wie die Verantwortung einer wirksamen Aufsicht im gesetzlichen Rahmen. Beides gegeneinander auszuspielen hilft nicht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende geht es nicht um Rechtfertigungen, sondern um die Wiederherstellung eines Systems, dem die Mitglieder wieder vertrauen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>H.Dohmeier-de Haan<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Rolle des Staates und der Gremien im Zusammenhang mit dem Versorgungswerk der Zahn\u00e4rztekammer Berlin Vorbemerkung des Autors Der folgende Beitrag ist ein pers\u00f6nlicher Meinungsartikel von mir. Er stellt ausdr\u00fccklich kein Rechtsgutachten dar. Ich bin kein Jurist. Meine Einsch\u00e4tzungen beruhen ausschlie\u00dflich auf \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Unterlagen. 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